Historie und Projektauftrag

Swiss Nurse Leaders sowie der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) führen das im September 2008 lancierte Projekt „SwissDRG und Pflege" ab April 2014 unter dem Namen „NursingDRG" weiter. Der vorliegende Projektauftrag skizziert die Projektphase von Okt. 2014 bis Ende 2017.


Ausgangslage

Der Leitgedanke für das Projekt „SwissDRG und Pflege“ bestand im Bestreben, einerseits den Pflegeaufwand pro DRG sichtbar zu machen und andererseits, Ansatzpunkte zu formulieren, um das SwissDRG-System, dort wo aus pflegerischer Sicht notwendig, zu verbessern. Letztlich sollten im Entgeltsystem SwissDRG Fälle mit erheblich höherem Pflegeaufwand im Vergleich zum Mittel in der jeweiligen SwissDRG ein höheres Fallgewicht und damit eine höhere Entschädigung erzielen. Es galt also, Fälle mit überdurchschnittlich hohem Pflegeaufwand zu identifizieren. Es wurde beabsichtigt, die Schweizerische Operationsklassifikation CHOP mit neuen Codes auszustatten, um die identifizierten Fälle zu markieren.
 

Einführung von CHOP-Kodes zur „Pflege-Komplexbehandlung“

Im Herbst 2012 reichten Swiss Nurse Leaders und SBK aus dem Projekt „SwissDRG und Pflege“ zusammen mit H+ Die Spitäler der Schweiz nach jahrelangen Vorarbeiten dem Bundesamt für Statistik BFS Anträge zur Erweiterung der CHOP ein. Gefordert wurde ein neues Unterkapitel „99.C1 Pflege-Komplexbehandlung“. Das BFS hiess den Antrag im Juli 2013 vollumfänglich gut, das neue CHOP-Unterkapitel fand Eingang in die CHOP 2014[1]. Seit Januar 2014 können die Spitäler für stationäre Patientenfälle mit aussergewöhnlich hohem Pflegeaufwand entsprechende Codes erfassen.

Die Codes werden nicht direkt angesteuert, sondern über ein Punktesystem. Es werden fünf Leistungsgruppen unterschieden: Bewegung, Körperpflege, Ausscheidung, Wundmanagement sowie Kommunikation und Sicherheit. Diese beinhalten verschiedene Pflegeinterventionsprofile (z.B. Mobilisation, Unterstützung bei der Ausscheidung). In mindestens zwei der Leistungsgruppen muss pro Tag mindestens ein Pflegeinterventionsprofil erfüllt sein, um den Punktwert am jeweiligen Tag anrechnen zu können.

Es gelten Messkriterien und Mindestanforderungen, z. B. eine bestimmte Mindestdauer oder eine Mindestanzahl von Pflegeinterventionen. Pro Leistungsgruppe kann pro Tag höchstens ein Punkt erzielt werden, was bedeutet, dass an einem Tag maximal 5 Punkte (ab 2016 6 Punkte) möglich sind. Damit ein Code „Pflege-Komplexbehandlung“ erfasst werden kann, braucht es mindestens 11 Punkte.

Zusammen mit H+ Bildung und Espace Compétence wurden Informations- und Schulungsanlässe zu Theorie und Anwendung des CHOP-Unterkapitels „99.C1 Pflege-Komplexbehandlung“ konzipiert und seit September 2013 für Fachpersonen der Spitäler und für IT-Systemanbieter durchgeführt.

[1] Vgl. Bundesamt für Statistik (2013): Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP), Systematisches Verzeichnis – Version 2014, 31. Juli 2013

 

Zielsetzungen von NursingDRG Phase 2014 bis 2017

Das Projekt NursingDRG soll in der Phase 2014 bis 2017 auf vier Ziele fokussieren:

  1. Bisherige Erfahrungen mit dem CHOP-Unterkapitel 99.C1 sind zu sammeln und zu werten. Es wird auf erste Studien und Auswertungen von einzelnen Spitälern Bezug genommen.
  2. Ergänzung durch weitere Leistungsgruppen (abgeleitet von bisher unberücksichtigter Pflegeindikatoren), welche dem CHOP-Unterkapitel 99.C1 zugrunde liegen.
  3. Überprüfung des Regelwerks zum CHOP-Unterkapitel 99.C1. Hierfür ist u.a. eine empirische Studie unter Mitwirkung von mehreren Spitälern erforderlich.
  4. Eine gemeinsam von Swiss Nurse Leaders und SBK getragene Website www.nursingdrg.ch wird aufgesetzt. Die Präsenz von NursingDRG in Fachmedien soll erhöht werden. Anwenderschulungen zum CHOP-Unterkapitel 99.C1 sind weiter zu führen.